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Karten graden lassen 2026: PSA, BGS oder CGC?

Von Can Bozyel, Inhaber von TakumiCards · 15. Juli 2026 · aktualisiert am 6. September 2026

Wer Sammelkarten liebt, kommt irgendwann an den Punkt, an dem eine Karte richtig wertvoll wird. Genau dann taucht die Frage auf: Soll ich die Karte graden lassen?

Karten graden lassen heißt, dass ein unabhängiger Dienst deine Karte prüft, den Zustand mit einer Note bewertet und sie danach in einem versiegelten Gehäuse verschliesst. Das kann den Wert deutlich steigern, ist aber längst nicht bei jeder Karte sinnvoll. In diesem Beitrag steht, wie das Ganze abläuft, wann es sich rechnet und wie du deine Karten so vorbereitest, dass am Ende keine Punkte verschenkt sind.

Was passiert beim Graden überhaupt?

Du schickst deine Karte an einen spezialisierten Dienstleister. Die drei bekanntesten sind PSA, BGS (Beckett) und CGC. Dort schauen sich Prüfer die Karte an und vergeben eine Note.

Bewertet werden vier Dinge, und zwar immer dieselben vier:

  1. Die Zentrierung. Sitzt das Bild mittig auf der Karte, oder ist der Rand oben schmaler als unten? Das ist ein reiner Druckfehler und hat nichts damit zu tun, wie gut du die Karte behandelt hast. Trotzdem kostet es die meisten Punkte.
  2. Die Ecken. Scharf oder leicht abgerundet, mit oder ohne weisse Stellen.
  3. Die Kanten. Sauber geschnitten oder rau, mit oder ohne Abrieb.
  4. Die Oberfläche. Kratzer, Dellen, Fingerabdrücke, Druckpunkte.

Danach wird die Karte in ein stabiles, durchsichtiges Gehäuse eingeschweisst, den sogenannten Slab. Der schützt die Karte dauerhaft und macht die Note für alle sichtbar. Öffnen zerstört die Bewertung.

Der eigentliche Punkt ist nicht der Schutz. Der Punkt ist Vertrauen. Ein Käufer muss dir nicht mehr glauben, dass die Karte "wie neu" ist. Das steht auf dem Gehäuse, geprüft von jemandem, der nichts davon hat.

Was bedeuten die Noten bei PSA, BGS und CGC?

Alle drei arbeiten mit einer Skala von 1 bis 10, aber sie zählen unterschiedlich. Das ist der häufigste Grund für Missverständnisse.

PSA vergibt eine einzige Gesamtnote in ganzen Schritten, von 1 bis 10. Die 10 heißt Gem Mint. PSA ist der bekannteste Dienst, und PSA-Noten sind auf dem Markt am leichtesten zu vergleichen, weil es davon einfach am meisten gibt.

BGS vergibt zusätzlich vier Einzelnoten, für jedes der vier Kriterien eine. Diese Subgrades stehen mit auf dem Gehäuse. Deshalb sagt ein BGS-Slab mehr aus als eine reine Gesamtnote. Über der 9.5 gibt es die 10 und, wenn alle vier Einzelnoten perfekt sind, das berühmte Black Label. Das ist extrem selten.

CGC kommt aus der Comic-Bewertung und hat sich bei Sammelkarten etabliert. Auch hier gibt es eine Höchstnote für makellose Karten.

Wichtig: Eine PSA 10 und eine BGS 10 sind nicht dasselbe, und eine 9 beim einen Dienst ist nicht automatisch eine 9 beim anderen. Wer Karten kauft, sollte immer schauen, wer die Note vergeben hat.

Wann lohnt sich das Graden und wann nicht?

Die Rechnung ist einfach, aber viele machen sie nicht.

Auf der Kostenseite stehen: die Gebühr des Dienstes, der Versand hin und zurück, oft eine Versicherung, und je nach Weg auch Einfuhrabgaben. Auf der Nutzenseite steht der Unterschied zwischen dem, was die Karte ungegradet bringt, und dem, was sie mit der erwarteten Note bringt.

Sinnvoll ist Grading, wenn:

  • die Karte selten und gefragt ist, zum Beispiel eine Alt Art oder eine bekannte alte Karte,
  • der Zustand wirklich nahe an perfekt liegt, denn nur die obersten Noten heben den Wert deutlich,
  • du verkaufen willst und der Käufer sonst ein Risiko trägt, das er einpreisen würde,
  • die Karte teuer genug ist, dass die Gebühr im Verhältnis klein wird.

Nicht sinnvoll ist es, wenn:

  • die Karte günstig ist. Dann kostet die Bewertung mehr, als sie bringt.
  • sichtbare Mängel da sind. Eine mittelmässige Note macht aus einer beschädigten Karte keine wertvolle Karte.
  • du die Karte spielen willst. Im Slab kannst du sie nicht mehr benutzen.
  • du sie einfach schön findest und behalten willst. Dann reicht ein guter Halter, und du sparst dir Wartezeit und Gebühr.

Eine Faustregel, die sich bewährt hat: Wenn du beim Rechnen zögerst, lohnt es sich nicht. Bei den Karten, bei denen es sich wirklich lohnt, ist die Antwort meistens offensichtlich.

Damit diese Rechnung überhaupt aufgeht, musst du erst wissen, was deine Karte ungegradet bringt. Wie du das ehrlich herausfindest, steht Schritt für Schritt im Beitrag Sammelkarten Wert bestimmen. Ohne diese Zahl rätst du nur.

Wie schicke ich aus Deutschland ein?

Das ist der Teil, den die meisten Ratgeber überspringen, dabei ist er der praktisch schwierigste.

Es gibt zwei Wege.

Direkt einschicken. Du legst dir ein Konto beim Dienst an, meldest deine Karten dort an, druckst die Unterlagen aus und schickst das Paket los. Das ist der günstigere Weg bei der Gebühr, aber du trägst den Versand ins Ausland, die Versicherung und den Papierkram selbst. Und du solltest vorher klären, was beim Rückweg an Einfuhrabgaben anfällt, denn die Karte kommt aus einem Drittland zurück nach Deutschland. Wer das nicht bedenkt, bekommt eine unangenehme Überraschung an der Haustür.

Über eine Sammeleinsendung. In Deutschland und Europa gibt es Anbieter und Händler, die Einsendungen bündeln und gemeinsam verschicken. Du gibst deine Karten dort ab oder schickst sie innerhalb Deutschlands hin, den Rest übernehmen sie. Das kostet einen Aufschlag, spart dir aber Versandrisiko, Zollpapiere und Nerven. Für die erste Einsendung ist das meistens der ruhigere Weg.

Was in beiden Fällen gilt: Rechne mit Wochen bis Monaten. Die Bearbeitungszeiten schwanken stark, je nach Auslastung und je nachdem, welches Serviceniveau du wählst. Wer eine Karte zu einem bestimmten Termin verkaufen will, sollte sehr früh einschicken.

Wie bereite ich meine Karten richtig vor?

Die Vorbereitung entscheidet oft über eine ganze Notenstufe.

  • Fass die Karte so wenig wie möglich an, und nur an den Rändern. Hautfett hinterlässt Spuren auf der Oberfläche, die unter der Prüflampe sichtbar sind.
  • Versuch niemals, eine Karte zu reinigen. Kein Tuch, kein Wasser, kein Radiergummi. Das erzeugt fast immer feine Kratzer und kostet dich genau die Punkte, die du retten wolltest.
  • Nimm einen Card Saver statt eines Toploaders. Die Dienste verlangen halbflexible Halter, weil sich die Karte daraus ohne Druck entnehmen lässt. Aus einem starren Toploader muss man sie herausschütteln, und genau dabei entstehen Kantenschäden. Die Karte kommt trotzdem zuerst in eine Penny Sleeve.
  • Prüf in Ruhe bei gutem Licht. Kipp die Karte gegen eine Lampe und schau schräg über die Oberfläche. So siehst du Kratzer, die von vorne unsichtbar sind.
  • Miss die Zentrierung selbst. Halt die Karte auf Augenhöhe und vergleich den Rand oben mit dem unten und links mit rechts. Ist der Unterschied schon mit blossem Auge klar sichtbar, wird es keine Topnote. Das ist der ehrlichste Filter, den du hast, und er kostet nichts.
  • Schick nur echte Kandidaten ein. Lieber drei starke Karten als zwanzig mittelmässige. Die Gebühr fällt pro Karte an, auch bei einer 6.

Was Grading nicht kann

Ein paar Erwartungen, die regelmässig enttäuscht werden.

Grading macht eine Karte nicht besser. Es macht nur sichtbar, wie gut sie ist. Eine Karte mit Knick bleibt eine Karte mit Knick, nur eben in einem Gehäuse und mit einer Zahl darauf.

Eine Note garantiert keinen Verkauf. Wenn niemand die Karte will, hilft auch eine 10 nicht. Der Slab ändert die Nachfrage nicht, nur das Vertrauen.

Die Note ist keine exakte Wissenschaft. Dieselbe Karte kann bei zwei Einsendungen unterschiedlich bewertet werden. Es sind Menschen, die das machen, und die Grenzen zwischen einer 9 und einer 10 sind schmal.

Und der Wert einer Sammlung steigt nicht dadurch, dass man alles einschickt. Wer zwanzig Karten graden lässt, hat danach zwanzig Gebühren bezahlt und meistens nicht zwanzig wertvollere Karten.

Was mache ich stattdessen mit den Karten, die es nicht wert sind?

Der wichtigste Satz zum Schluss: Die beste Vorbereitung aufs Graden ist eine Sammlung, die gar nicht erst Schaden nimmt.

Steck eine Karte vom ersten Tag an in eine Hülle und danach in ein Album mit fest eingenähten Seiten oder einen Toploader. Dann ist sie Jahre später immer noch ein Kandidat. Eine Karte aus der Schublade ist es nie.

Das kostet fast nichts und ist die einzige Massnahme, die bei jeder einzelnen Karte wirkt. Wie du das im Detail machst, steht im Zubehör- und Aufbewahrungs-Guide.

Fazit

Graden lohnt sich bei wertvollen, seltenen Karten in Top-Zustand, die du verkaufen oder langfristig halten willst. Bei allem anderen sparst du dir Gebühr, Versandrisiko und Wartezeit besser.

Rechne vorher ehrlich, prüf die Zentrierung selbst, bereite die Karten sauber vor und fang mit wenigen Stücken an. Und wenn du unsicher bist, ist Abwarten die günstigste Entscheidung. Eine gut gelagerte Karte kannst du nächstes Jahr immer noch einschicken.

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Mehr Ratgeber findest du im Überblick. Begriffe erklärt das TCG-Glossar.